Der einstige Mitbegründer und langjährige Dozent der Freien Kunsthochschule Nürtingen Max Bailly ist tot. In seinen letzten Lebenstagen haben ihn die Weggefährtinnen Alexandra Fischer-Herl und Barbara Grupp sowie seine Kinder Jonas Bailly, Anna Büttner und Paul Bailly begleitet. „Es war eine unheimlich verbindende Zeit für uns“, sagt Fischer-Herl. Er sei am Ende „friedlich und ruhig“ eingeschlafen. Auf Instagram gibt es seit einigen Tagen auch einen Account von Max Bailly. Auf diesem hat auch der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich kondoliert: „Max Bailly war als Mensch und Künstler mit sozialer Verantwortung sehr wertvoll für Nürtingen.“
Nicht nur die Hölderlinstadt verliert damit eine Künstlerpersönlichkeit. Unzähligen jungen Künstlerinnen und Künstlern hat er ein Beispiel gegeben. Viele haben zu ihm aufgeschaut, ihn bewundert. Aber Bailly war niemand, der sich in diesem Glanz gesonnt hat. Ohne Zweifel hat er die Kultur- und Kunstszene geprägt. Von 1985 bis zu seinem Umzug in den Kroatenhof wirkte und lebte er in einem selbst umgebauten Bauernhaus in Unterensingen. Es war ein Haus für die Kunst, für Künstler, aber auch Musikliebhaber. Mehrere Konzerte veranstaltete er in seiner Scheune. Er bot Kurse an und er organisierte Ausstellungen. Aber er konnte eben diesen Bauernhof, der ein Treffpunkt von Kunst und Kultur war, auch loslassen und fand einen neuen Anknüpfungspunkt für sein Schaffen.
Dass er irgendwann nicht mehr da sein wird, davor hat Bailly nicht die Augen verschlossen. Seine letzte Ausstellung zu seinen Lebzeiten sollte zugleich auch einen Übergang symbolisieren. Alexandra Fischer-Herl hatte sich bereit erklärt, sich um seinen künstlerischen Nachlass zu kümmern. „Es ist ein großes Glück, meine Kunstwerke in guten Händen zu wissen“, hat Bailly gesagt – hier der Mentor, dort die einstige Schülerin, die längst eine Freundschaft verband.
Wer in den Bildband „Weg-Zeichen“ schaut, der die künstlerischen Stationen des Gründungsmitglieds der Freien Kunstschule in Nürtingen in den Jahren 1973 bis 1998 enthält, der staunt ob der Vielfalt. Es gibt viele beeindruckende Werke von ihm. Er war auch ein politischer Künstler. Corona, die bedrohte Heimat oder der russische Angriffskrieg in der Ukraine haben ihn beschäftigt. Seit 1972 sind mehr als hundert Einzel- und Gruppenausstellungen regional und überregional zusammengekommen.

