Podium
Schulleiter arbeiten am Anschlag – und darüber hinaus

Realschulrektoren aus ganz Baden-Württemberg haben sich zu ihrer Jahrestagung in Weilheim getroffen.

Podiumsdiskussion vor Realschulrektoren: Konkrete Lösungsansätze hatten die Politiker eher nicht im Angebot. Foto: Andreas Volz

Im Wahlkampfmodus haben sich die Bildungspolitischen Sprecher von vier Landtagsfraktionen präsentiert, die auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Realschulrektoren in die Weilheimer Limburghalle gekommen waren. Da wurde viel über die Richtung gesprochen, die die Bildungspolitik nach der Landtagswahl im März nehmen solle. Ob es dann außer dem Gymnasium noch die bisherige Bandbreite an Schulen geben wird, ist in diesem Fall die große Frage. Vor allem die Werkrealschule steht zur Disposition.

Schuld sind die anderen

Die Gründe, warum die Werkrealschule keine großen Zukunftschancen hat, sind unterschiedlich. Sie wurden auf dem Podium aber nicht nur sachlich aufgearbeitet. Hauptsächlich ging es um Schuldzuweisungen an den jeweiligen politischen Gegner – auch wenn noch niemand so recht weiß, ob nicht der eine oder andere Gegner in der neuen Legislaturperiode zum Koalitionspartner wird.

Ein Problem aber überlagert alle anderen: Die fehlenden finanziellen Mittel treffen alle Bereiche, nicht nur die Schulpolitik. Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle beklagte noch zusätzlich, dass sich die Bürokratie verselbständigt habe. Dafür gab es großen Applaus von den Schulleitern, die dieses Problem auch aus eigener Anschauung zur Genüge kennen.

Auch Holger Gutwald-Rondot, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, stieß mit seinen Podiums-Beiträgen immer auf breite Zustimmung seiner Kollegen im Saal: „Uns werden immer mehr Aufgaben zugeschoben, ohne dass dafür etwas wegkommt.“ Die Forderungen nach dringend benötigten Entlastungsstunden würden stets ungehört verhallen. Auch die Forderung nach Abteilungsleitungen für die Realschulen stoße immer wieder auf taube Ohren. Ergebnis all dessen: „Fast alle sind am Anschlag. Aber oben getraut man sich, selbst auf den Anschlag noch was draufzulegen.“

Neuerungen ohne Stunden

Eine Teilschuld an der Misere gab er seinem Berufsstand: „Wir schultern das, wir machen das – und wir machen’s auch noch gut. Vielleicht ist das unser Problem.“ Und er setzte noch eins drauf: „Dieses System lebt auch von einer Arbeitsmoral, die wir für die Zukunft bei unserem Nachwuchs so nicht mehr sehen.“ Andererseits nahm Holger Gutwald-Rondot die Vergangenheit in den Blick: „Es hatte einmal Tradition, dass Neuerungen im Schulsystem mit Stunden hinterlegt wurden. Jetzt kriegen wir die Neuerungen ohne Stunden. Das ist falsch.“ Realsatire an der Realschule!

Beim Thema digitale Endgeräte – für die es keine Updates mehr gibt und deren Akkus schwächer werden – wandte er sich mit seiner Enttäuschung direkt an die Abgeordneten: „Sie hätten jetzt sagen können, ja, wir kümmern uns drum.“ Stattdessen waren von den politischen Vertretern Forderungen nach mehr Schulsozialarbeit gekommen – egal, wie berechtigt die Forderungen sein mögen. Auch darum dürften sich die Abgeordneten aus Sicht der Rektoren gerne kümmern, statt nur darüber zu reden. Gleiches gilt für das verpflichtende, aber kostenfreie letzte Kitajahr als ideale Voraussetzung für die Grundschule. Die Schulleitungen hätten sicher nichts dagegen. Aber sie können diese Aufgabe nicht auch noch übernehmen.