Bahn
Sieht so der Zugverkehr ab 2028 aus?

Das Verkehrsministerium plant die Zugverbindungen für die Zeit nach der Eröffnung des neuen Tiefbahnhofs.​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​

Ab 2028 kommen einige Veränderungen auf die Pendler im Raum Wendlingen/Nürtingen zu. Foto: Ralf Just

Überfüllte Züge, die auch noch unpünktlich sind – in den letzten Jahren konnte der Bahnverkehr nicht allzu viele Pluspunkte sammeln. Deshalb ist für viele das Auto auch immer noch das Verkehrsmittel, mit dem der Alltag gemeistert wird. Nun veröffentlichte das Verkehrsministerium des Landes einen Zukunftsfahrplan, der aufzeigen will, wie sich der Zugverkehr in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Ein zuverlässiger Fahrplan und höhere Betriebsstabilität sollten dabei im Fokus stehen.

Die wohl weitreichendste Änderung im Zukunftsfahrplan für die Strecke Tübingen–Stuttgart ist, dass die Metropolexpresse (MEX) nicht mehr nach Heilbronn und Osterburken weiterfahren, sondern Richtung Schorndorf–Schwäbisch Gmünd und Aalen–Crailsheim geschickt werden. „Aufgrund der Eigenschaften des Tiefbahnhofs und der weiteren Infrastrukturen ist eine Durchbindung in dieser Relation notwendig, damit sich wenige Fahrten im Bahnhof gegenseitig ausschließen und eine hohe Leistungsfähigkeit gewährleistet bleibt.“

Regionalexpress nach Kirchheim?

Was ändert sich für Wendlingen, Oberboihingen und Nürtingen? Wendlingen verliert mit Inbetriebnahme der ICE-Trasse auf jeden Fall den Regionalzug nach Ulm. Dieser wird künftig an Wendlingen vorbeifahren. Wer allerdings von Wendlingen nach Stuttgart fah­ren möchte, könnte, sobald es die S-Bahn-Verlängerung nach Nürtingen gibt, im Viertelstundentakt in die Landeshauptstadt und zurück fahren. Denn die S 1 wird dann jeweils halbstündig nach Kirchheim und Nürtingen weiterfahren. Das macht den Viertelstundentakt bis Wendlingen notwendig. 

Was stutzig macht: In einer Grafik zum Zukunftsfahrplan ist ein Regional­express (RE) eingezeichnet, der stündlich nach Kirchheim fährt. Wo soll er fahren? Denn bisher gibt es in Richtung Kirchheim lediglich die S-Bahn-Gleise. „Der Regional­express nach Kirchheim ist eine verkehrliche Idee, die schon länger diskutiert wird. Im Zukunftsfahrplan wurde diese aufgenommen und wird nun im Detail untersucht“, schreibt das Verkehrsministerium. Welche Infrastruktur notwendig ist und wie diese dann finanziert wird – dazu gibt es noch keine Erkenntnisse.

In Oberboihingen gibt es kaum Neuerungen. Es wird einen S-Bahn-Halt geben, die dafür nötige Erhöhung der Bahnsteige soll im kommenden Jahr erfolgen. Der Regionalexpress Richtung Flughafen wird jedoch definitiv nicht in der Gemeinde halten.

Neuerungen gibt es in Nürtingen, wo eine neue Regionalexpress-Linie starten und nach Heilbronn, Osterburken, Lauda und Würzburg führen soll. Vorteilhaft ist, dass der RE nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 Fahrgäste schneller zum Flughafen und in die Landeshauptstadt bringt. Die nicht so gute Nachricht: Der Regionalexpress hält nur noch einmal stündlich in Nürtingen. „Nach der Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn soll der Regionalexpress stündlich über Tübingen hinaus nach Süden durchgebunden werden. Dafür muss der RE die Abfahrtszeiten an den Haltestellen einhalten“, so das Verkehrsministerium. Dafür muss der RE im Abschnitt Stuttgart–Tübingen ganz schön Fahrt aufnehmen – und die Haltepunkte in Nürtingen und Metzingen ausfallen lassen. Auch die Infrastruktur muss angepasst werden.

Der Zukunftsfahrplan ist, bis auf die Relation Wendlingen–Kirchheim, im Ministerium unter „absehbar umsetzbare Verkehrs- und Betriebskonzepte“ eingeordnet. Er steht jedoch möglicherweise noch unter einem Finanzierungsvorbehalt.