Sanierung
Natürliche Stufen für den Rollschuhplatz

Die Sitzränge östlich des neuen Kirchheimer Verwaltungsgebäudes werden aus Dolomitstein gefertigt. Trotz höherer Kosten überwiegen langfristig die Vorteile gegenüber der Betonvariante.  

„Bemusterung“ auf dem Rollschuhplatz: Links der Dolomitstein samt den Bodenplatten für die neue Terrasse. Rechts daneben die Ausführung der Sitz- und Treppenstufen in Beton. In der anschließenden Sitzung sprachen sich die Ausschussmitglieder mehrheitlich für die Natursteinvariante aus. Foto: Andreas Volz

Welche Steine sind die richtigen, um die Sitz- und Treppenstufen am Kirchheimer Rollschuhplatz neu zu gestalten? Zur Auswahl stand einerseits ein Dolomitstein aus dem fränkischen Altmühltal und andererseits ein moderner Betonstein.

Wir dürfen diesen Platz nicht mit Beton verschandeln.

Stefan GölzEiner der Stadträte, die auf ein ästhetisches Gesamtkonzept Wert legen

Preisunterschied: 339.000 Euro. Die Kosten waren ein wichtiges Kriterium, an dem sich die Mitglieder des Gemeinderatsausschusses für Infrastruktur, Wohnen und Umwelt abgearbeitet haben. Zunächst aber war es um die Besichtigung vor Ort gegangen.

 

Der Dolomit ist nachhaltig

Hubert Möhrle vom Stuttgarter Büro Möhrle und Partner machte direkt vor den vorhandenen Stufen keinen Hehl aus seiner fachliche Präferenz: „Von der Qualität und Wertigkeit her ist es kein Vergleich. Da schlägt der Naturstein den Beton ganz klar.“ Schon allein der Herstellungsprozess sei deutlich schonender für die Umwelt. Hinzu komme die Langlebigkeit: „Der Naturstein geht nicht kaputt. Er lässt sich eines Tages auch wiederverwenden.“

Problematisch sei vor allem das Wasser, das in Fugen ebenso eindringt wie in Risse. Fugen gibt es in beiden Fällen. Mit Rissen jedoch ist vor allem beim Beton zu rechnen, an dem der Zahn der Zeit ganz anders nagt als am Dolomit. Hubert Möhrles Fazit: „Der Naturstein ist nachhaltig.“

In der Diskussion ging es später auch um die Wirkung der beiden Varianten: SPD-Stadtrat Stefan Gölz verglich den Naturstein mit antiken Bauten. Beton könne keine vergleichbare Wirkung erzielen. Für den Rollschuhplatz brauche es ein ästhetisches Gesamtkonzept, und demzufolge komme nur der Naturstein infrage, zumal auch der Bodenbelag der Terrasse des neuen Verwaltungsgebäudes aus demselben Stein bestehen wird: „Wir dürfen diesen Platz nicht mit Beton verschandeln.“

Der Rollschuhplatz ist ein beliebter Veranstaltungsort in Kirchheim. Archivfoto: Markus Brändli

Ulrich Kübler (Freie Wähler) bezog sich ebenfalls auf die „Grundposition“ zur Platzgestaltung: „Da sind wir ursprünglich vom Naturstein ausgegangen.“ Beton sei erst bei der Suche nach einer günstigeren Variante ins Spiel gekommen. Für ihn stelle der Beton aber einen klaren „Stilbruch“ dar. Auch die Mehrkosten relativierte er. Weil die Ausschreibungen günstige Ergebnisse erzielt haben, liege die Dolomit-Variante „nur“ um 110.000 Euro über der Kostenberechnung.

Auch Gerd Mogler von der Christlichen Initiative Kirchheim (CIK) war der Meinung, dass Beton an dieser Stelle nicht passt: „Der Rollschuhplatz ist ein Veranstaltungsort für alle – und deshalb muss er auch etwas darstellen.“ Und zu den Kosten meinte er, dass es auf die langfristige Betrachtung ankomme: „Wegen der Haltbarkeit des Natursteins fahren wir mit dem Dolomit auf Dauer günstiger als mit Beton.“

Ganz anders sah es Gundula Folkerts von den Grünen. Zwar sei der Dolomit sicherlich das schönere und bessere Material: „Aber uns geht es um die 340.000 Euro. In Anbetracht der Haushaltslage plädieren wir deshalb für Beton.“

Mit demselben Argument sprach sich auch CDU-Stadtrat Giancarlo Crescente gegen den Naturstein aus. Allerdings war die Haltung seiner Fraktion in dieser Sache gespalten. Simone 
Selck von der Liste „Kirchheim.Sozial“ hob vor allem auf die Nutzung des Rollschuhplatzes ab. Auch die Steine würden demnach „genutzt und abgenutzt“. Und die Abnutzung wiederum sehe man in beiden Ausführungen, weswegen sie sich ebenfalls für die kostengünstigere Beton-Variante aussprach.

Oberbürgermeister Pascal Bader fasste zusammen, dass es für beide Positionen gute Argumente gebe. Die Stadtverwaltung empfehle gleichwohl den Beton, und zwar aus Kostengründen: „Ich glaube, die Ausführung wird auch in Beton nicht hässlich.“

 

Deutliches Ergebnis

Die Abstimmung selbst fiel am Ende deutlicher aus als erwartet: Mit zwölf gegen acht Stimmen stimmte die Mehrheit für den Dolomit-Naturstein.

Ersetzt wird dadurch die alte Mauer auf der Südseite, die so nicht wieder zu bauen gewesen wäre – vor allem aus zwei Gründen: Zum einen hat das Wasser in dieser Ausführung viel mehr Angriffsfläche, was sich schlecht auf die Haltbarkeit auswirkt. Und zum anderen wäre das Aufmauern sehr personalintensiv und dadurch auch entsprechend teuer.

Zu den fünf Sitzstufen, die nun neu gemacht werden, gesellen sich zwei weitere Sitzstufen auf der gegenüberliegenden Stadtmauerseite. Die bisherige Bühne an der Stadtmauer wird abgetragen, weil die Terrasse des Verwaltungsgebäudes zur neuen Bühne wird.