pm. Längst nicht alle Wohnungen sind fit fürs Alter: Von den gut 264.800 Wohnungen im Landkreis Esslingen sind nur rund 19.300 so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal klarkommen – insbesondere mit Rollator oder Rollstuhl. „Damit bieten nur rund 7 Prozent der Wohnungen den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder als Pflegefall darin alt zu werden“, sagt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Die Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse erstellt.
Im Fokus: Die Baby-Boomer. In den nächsten zehn Jahren gehen im Kreis Esslingen rund 81.700 Menschen in Rente. „Ziel muss es sein, schnell für mehr Seniorenwohnungen zu sorgen. Eine altersgerechte Sanierung ist auf Dauer günstiger als ein Umzug ins Heim“, so BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Zudem entspreche das dem Wunsch der meisten Menschen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben.
Engpässe in Flur, Küche und Bad
Das funktioniert allerdings nur, wenn Altbauwohnungen barrierearm umgebaut werden. Fehlen fehlen breite Türen und Bewegungsfläche, wird es eng. Das Problem beginnt meist schon am Eingang: In 30 Prozent der Hausflure im Kreis Esslingen (rund 78.200 Wohnungen) kommen Rollstuhlfahrer nicht problemlos durch.
Auch drinnen setzt sich der Engpass fort: In rund 83.300 Küchen (31 Prozent) können Menschen im Rollstuhl nicht wenden. Bei den Bädern sind 121.700 (46 Prozent) zu klein. Das entscheidende Kriterium ist jedoch die Dusche: Eine begehbare, bodengleiche Dusche gibt es aktuell nur in etwa 70.300 Wohnungen (27 Prozent). Günther rät daher, beim Umbau unbedingt das Bad anzupacken, räumt aber ein, dass etwa bei Bauten aus den 50er-Jahren oft die Decken für bodengleiche Duschen zu dünn seien.
Forderung nach „Boomer-Zuschüssen“ aus Berlin
Der Kreis Esslingen hat somit einen enormen Nachholbedarf. Die Lösung liegt laut BDB vor allem im Umbau des Bestands. BDB-Präsidentin Metzger fordert deshalb eine „Senioren-Umbau-Offensive“ mit staatlichen „Boomer-Zuschüssen“.
Das Pestel-Institut plädiert dafür, dass der Bund den Großteil der Umbaukosten als Zuschuss übernimmt, da Senioren kurz vor der Rente Kredite scheuen. Die bisherige Förderung von 10 Prozent beim Bad-Umbau sei ein „Placebo-Zuschuss“. Auch das aktuelle „Förder-Dickicht“ aus KfW, Krankenkassen und Pflegeversicherung bremse den Sanierungsschub. Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und milliardenschwere Mittel bereitstellen.

