Ein Haus, das zu groß geworden ist, ein Keller voller Erinnerungsstücke – und Geschwister, die beim Aufräumen nicht nur Möbel, sondern auch alte Rollen neu sortieren: Mit feinem Humor und viel Empathie las die Journalistin und Autorin Ursula Ott im evangelischen Gemeindehaus Jesingen aus ihren beiden Büchern „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“ und „Gezwisterliebe“. Eingeladen hatten der Literaturbeirat der Stadt Kirchheim und das Nachbarschaftsnetzwerk „Miteinander für Jesingen“. Der Titel des Abends – „Vom Loslassen, Ausräumen und Bewahren und den Konflikten, die daraus entstehen können“ – traf sichtlich den Nerv der Zuhörer.
Konzentriert folgte das Publikum den Lesepassagen, und immer wieder huschte ein Schmunzeln durch den Saal, wenn Otts feinsinniger Humor aufblitzte. Man spürte, dass viele sich in ihren Schilderungen wiederfanden – biografisch und emotional. Ott las drei Kapitel aus ihrem Bestseller „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“, in dem sie erzählt, wie ihre 87-jährige Mutter in eine betreute Wohnung zieht und sie gemeinsam mit ihrer Schwester das Elternhaus räumt. Dabei bleibt die Chefredakteurin des evangelischen Magazins „Chrismon“ stets sachlich und persönlich zugleich: Ihr Buch ist kein Roman, sondern ein kluger, unterhaltsamer Erfahrungsbericht über das Abschiednehmen von einem Lebensort.
Wie nebenbei beschreibt Ott die Dinge, die bei solchen Entrümpelungsaktionen auftauchen – Bleikristallgläser, Pelzmäntel, Zinnkrüge. Früher Symbole von Wohlstand und Sammelleidenschaft, heute oft nur noch Ballast. Als Ott das Wort „Zinn“ erwähnt, geht ein wissendes Raunen durch den Gemeindesaal – ein Moment, der zeigte, wie ähnlich sich viele Erfahrungen in dieser Lebensphase sind. All diesen Hinterlassenschaften, die beim Ausräumen wahlweise Erinnerungen oder Verzweiflung wecken, hat Ott im Anhang ihres Buches ein eigenes „ABC der Dinge“ gewidmet – eine Sammlung kluger und alltagstauglicher Ideen, wie man zwischen Bewahren und Loslassen Balance finden kann.
Auch ihr aktuelles Buch „Gezwisterliebe – vom Streiten, Auseinandersetzen und Versöhnen“ fand großen Widerhall. Darin widmet sich Ott den oft komplizierten Beziehungen zwischen Brüdern und Schwestern – Beziehungen, die, wie sie betont, „die längsten und manchmal auch die schwierigsten unseres Lebens“ sind. Ob es um Pflege, Erbe oder den Verkauf des Elternhauses geht – alte Konflikte flammen schnell wieder auf. Doch Ott bleibt optimistisch: Mit Offenheit, Gesprächsbereitschaft und Mut zur Versöhnung lassen sich viele Brücken wieder bauen.
Im anschließenden Gespräch zeigte sich, wie nah das Thema den Zuhörenden ging. Einige berichteten, sie hätten sich in Otts Beschreibungen wiedererkannt – in den Diskussionen mit Eltern und Geschwistern, manchmal auch in den Relikten, die im Keller oder auf dem Dachboden auftauchen.
Bei aller Ernsthaftigkeit blieb der Abend von einer wohltuenden Leichtigkeit geprägt. Das lag an Otts klarer Sprache, ihrem humorvollen Blick auf Alltägliches und ihrer Fähigkeit, persönliche Erfahrungen so zu teilen, dass sie vielen aus der Seele sprechen. So wurde aus der Lesung mehr als eine Buchvorstellung – ein Abend, der zeigte, wie eng Literatur, Leben und gemeinsames Erinnern miteinander verwoben sind.

