200 Jahre Württembergischer Hof
Eine Kirchheimer Chronik von 1826 bis heute

Eine der traditionsreichsten Adressen der Stadt

pm. Zwei Jahrhunderte bewegte Geschichte stecken in den Mauern des heutigen Württembergischen Hofs. Was 1826 als einfaches Gebäude begann, entwickelte sich über Generationen hinweg durch etliche Besitzerwechsel, Umbauten und Umbenennungen zu einer der traditionsreichsten Adressen der Stadt.

Die Anfänge als Schildwirtschaft (1826–1892)

Die Geschichte des Hauses begann im Jahr 1826, als Daniel Widmann, bekannt als der „Waldbornwirt“, das Gebäude in der damaligen Plochinger Straße 59 errichtete. Nachdem ein erster Antrag auf eine Konzession 1833 vom Gemeinderat abgelehnt worden war, erhielt Widmann am 12. September 1834 die offizielle Erlaubnis zum Betreiben einer Schildwirtschaft.

Am 19. Juli 1850 erwarb der Schleifer Georg Friedrich Weinhardt das Anwesen für einen Wert von 4.800 Gulden und führte es selbst fort. Nach seinem Tod veräußerte seine Witwe Katharina Dorothea (geborene Wagner) das Haus im Jahr 1864 für 14.500 Gulden an Ludwig Schurr. Dieser leitete das Anwesen fast drei Jahrzehnte lang, ehe er es am 4. November 1892 an den Bäcker und Wirt Ulrich Stoll verkaufte.

Vom „Waldborn“ zum „Badischen Hof“ (1893–1958)

Unter Ulrich Stoll brach ab 1893 eine neue Ära an: Aus dem bisherigen „Waldborn“ wurde der „Badische Hof“, für den Stoll im selben Jahr erstmals Steuern zahlte. Im selben Jahr baute er eine Scheune und Remise an. Das zweistöckige Wohngebäude mit Scheune unter einem Dach verfügte laut Stadtarchiv über eine Schildwirtschaft mit gewölbtem Keller, beiderseitigem Remisenanbau, Zwerchhausaufbau, angebautem Abtritt (WC) und einem Backhaus.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Rosina Barbara (1885) heiratete Stoll 1894 Anna Maria (geborene Jauß), die das Haus mit in die Ehe brachte. 1907 stellte Stoll den Betrieb ein und verkaufte das Anwesen an den Bäcker Karl Schleich. In dessen Familienbesitz verblieb das Gebäude über ein halbes Jahrhundert, bis 1959 seine Tochter Johanna Leconte (geborene Schleich) das Haus übernahm und die Gaststätte bis 1964 weiterführte.

Neubeginn als „Württembergischer Hof“

Nachdem die Gaststätte von 1964 bis 1991 geschlossen blieb und 1978 an die Erbengemeinschaft Alfred und Richard Leconte übergegangen war, läutete Sylvia Banzhaf im April 1990 die Wende ein. Sie übernahm das historische Anwesen und erweckte den Betrieb unter dem heutigen Namen „Württembergischer Hof“ zu neuem Leben – eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Im Jahr 2017 übernahm schließlich ihre Tochter Martina Banzhaf die Leitung von Hotel und Restaurant und führt es erfolgreich in die Zukunft.