Brücken stellen eines der drängendsten Probleme der Verkehrsinfrastruktur dar – nicht zuletzt weil sie in die Jahre gekommen sind. Das gilt auch, aber leider nicht nur, für die Brücke der B 297, die über die Kirchheimer Tannenbergstraße führt. Baujahr 1959, hätte sie jetzt das menschliche Alter erreicht, in dem sie in den Ruhestand gehen dürfte. In gewisser Weise darf sie das auch: Sie soll durch einen Neubau ersetzt werden, denn die Umgehungsstraße ist, gerade im Feierabendverkehr, so stark befahren, dass es ohne diese Brücke nicht geht.
Wer nun fürchtet, auf Jahre hinaus Umwege fahren zu müssen – so lange eben, bis die neue Brücke steht –, sei vorab beruhigt: Von einer konkreten Bauplanung, geschweige denn von konkreten Bauzeiten ist der Öffentlichkeit bislang nichts mitgeteilt worden. Was jetzt aber im Vorfeld etwaiger Bauarbeiten ansteht, sind „Erkundungsbohrungen“. Es geht dabei um die Baugrunduntersuchungen, die für die weiteren Planungsschritte unerlässlich sind.
Ab Montag gelten die Ampeln
Die Bohrungen sind für die kommende Woche vorgesehen: von Montag, 10. November, bis Freitag, 14. November. Sie liefern indessen nicht nur Hinweise für die Statik des neuen Bauwerks. Sie liefern auch einen Vorgeschmack auf das, was dann kommen wird – wenn die Brücke und damit auch die B 297 nicht befahrbar sind.
Vorerst sind die angekündigten Straßensperren noch beinahe harmlos – dauern sie doch nicht länger als eine volle Arbeitswoche. Außerdem sind sowohl die Umgehungsstraße als auch die Tannenbergstraße weiterhin befahrbar, wenn auch nicht in beide Richtungen. Beide Straßen werden laut Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart für die Dauer der geotechnischen Untersuchungen „abschnittsweise und zeitlich versetzt halbseitig gesperrt“. Der Verkehr werde „mit Hilfe von Ampeln und Verkehrszeichen geregelt.“
Weiter heißt es: „Dadurch kann es zeitweise zu verkehrlichen Einschränkungen kommen.“ Entsprechend werden die Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die Beeinträchtigungen gebeten. Was fehlt, ist der Hinweis, den es sonst im Radio noch gibt: die Empfehlung, die betreffenden Stellen möglichst großräumig zu umfahren. Es dürfte sich zu gewissen Uhrzeiten empfehlen, andere Wegeverbindungen auszuprobieren – gegebenenfalls auch als Vorbereitung für den tatsächlichen Neubau der Brücke.
Kirchheim kann sich dennoch glücklich schätzen, dass diese Brücke überhaupt in das Programm aufgenommen wurde – als eine von nur 15 Brücken im Regierungsbezirk, um die sich eine Arbeitsgemeinschaft im Zuge einer Sammelausschreibung kümmert.
Auf die Ressourcen kommt es an
Damit zählt das Bauwerk in Kirchheim zu den „Brücken mit spannungsrisskorrosionsempfindlichem Spannstahl im Regierungsbezirk Stuttgart“. Das sagt aber noch nichts über den Zeitpunkt des Neubaus, denn in einer anderen Pressemitteilung steht der Vorbehalt: „Die Reihenfolge und Zeiträume der Umsetzung werden entsprechend der Dringlichkeit der Maßnahmen und der Verfügbarkeit von personellen und finanziellen Ressourcen festgelegt.“
Immerhin wurde vor einem knappen Jahr bereits ein Zeitpunkt genannt, an dem sich das Verkehrsministerium messen lassen dürfte: „Bis 2030 sollen alle kritischen Brücken erneuert sein.“

