Kirchheim

Ernährungsberaterin: Das Superfood wächst vor der Haustür

Ernährung Beraterin Ramona Renz spricht sich für saisonale Lebensmittel aus. Pluspunkte sind vor allem der schonende Anbau und höhere Nährwerte. Von Cornelia Wahl

„In der jeweiligen Saison reifen die pflanzlichen Lebensmittel am besten, schmecken besser und haben einen höheren Nährstoffgehalt“, weiß Ernährungsberaterin Ramona Renz aus Nabern.  Foto: Cornelia Wahl

Ohne das Wissen um eine richtige Ernährung ist es kaum möglich, sich einer guten Gesundheit zu erfreuen. Ramona Renz aus Nabern, von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zertifizierte Ernährungsberaterin, erklärt im Interview, worauf man achten sollte.

 

Frau Renz, im Supermarkt gibt es heutzutage beispielsweise Tomaten im Dezember. Viele Verbraucher verlieren das Gefühl für saisonale Nahrungsmittel. Doch was ist das überhaupt?

Ramona Renz: Saisonale Lebensmittel sind Gemüse und Obst, aber auch Kräuter wie Bärlauch, die ursprünglich nur in einem bestimmten Zeitraum wachsen.

 

Welches sind die wichtigsten Argumente für den Kauf saisonaler Lebensmittel?

Renz: In der jeweiligen Saison reifen die pflanzlichen Lebensmittel am besten, schmecken besser und haben einen höheren Nährstoffgehalt. Neben Vitaminen und Mineralstoffen enthalten Obst, Gemüse und Kräuter wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, welche für Farbe und Aroma verantwortlich sind. Stehen Obst und Gemüse in gut gereiftem Zustand auf dem Speiseplan, sind auch keine sogenannten Superfoods, wie etwa Goji-Beeren, notwendig. Ein weiteres Argument für die saisonale Auswahl ist der Freilandanbau. Im Regelfall ist er bezüglich des Nitratgehalts bestimmter Gemüse- und Salatsorten vorteilhafter. Dieser unerwünschte Stoff kommt bei Treibhausanbau in viel höheren Mengen vor. Allerdings muss man natürlich auch sehen, dass Gemüse, das an stark befahrenen Straßen angebaut wird, einer hohen Schadstoffbelastung ausgesetzt ist. Kauft man Produkte, deren Herkunft nachvollzogen werden kann, zum Beispiel beim örtlichen Bauern, kann dem ein Stück weit entgegengewirkt werden.

 

Ist es kompliziert, sich saisonal zu ernähren?

Im Prinzip nicht. Ist man aber bei Obst und Gemüse besonders wählerisch oder hat gesundheitliche Einschränkungen, kann dies die Auswahl erschweren. Wer typisches Wintergemüse wie Lauch und Kohl nicht gerne mag oder aufgrund einer Erkrankung diese nur schwer verdauen kann, muss gegebenenfalls auch auf nicht saisonale Alternativen zurückgreifen.

 

Welche Rolle nimmt die Ernährung in Bezug auf die Gesundheit ein?
Sie nimmt eine wichtige Rolle ein. Mit entsprechender Lebensmittelauswahl kann man durchaus Krankheiten vorbeugen. Beispielsweise kann bei entsprechender Veranlagung, etwa bei Herz-Kreislauf- oder bei Stoffwechsel-Erkrankungen wie der Gicht, mit der richtigen Ernährung der Krankheitsverlauf abgemildert werden. Allerdings muss man die Ernährung als Teil eines Ganzen sehen. So gehören Bewegung, Stressmanagement und der behutsame Umgang mit Genussmitteln wie Alkohol auch zu einer gesunden Lebensstilführung. Allein mit der Nahrung Bewegungsmangel oder starkes Rauchen auszugleichen, ist nicht möglich. Deshalb empfiehlt sich ein Lebensstil, bei dem neben einer vollwertigen und ausgewogenen Ernährung auch mehrmals wöchentlich die Bewegung berücksichtigt und negativem Stress entgegengewirkt wird. Außerdem sollten Genussmittel wirklich nur als solche und nicht etwa zur Entspannung konsumiert werden.

 

Wie finde ich heraus, welche Ernährung für mich die richtige ist?
Sofern keine Allergie oder Unverträglichkeit vorliegt, bieten die zehn Regeln der DGE eine gute Leitlinie. Sollte eine Einschränkung vorliegen, etwa durch eine Operation im Verdauungstrakt oder bei einer Stoffwechselstörung wie Diabetes, würde ich auf jeden Fall eine individuelle Ernährungsberatung empfehlen. Diese kann auch sinnvoll sein, wenn man sich bei der Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung unsicher ist oder unregelmäßige Arbeitszeiten hat.

 

Tipps für eine gesunde Ernährung

Zu einer gesunden Ernährung gehört: sich Zeit zu nehmen, die Lebensmittelvielfalt zu genießen sowie mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst täglich zu essen. Bei Getreideprodukten sind Vollkornprodukte die bessere Wahl. Tierische Lebensmittel wie Milch, Käse, Fisch oder Fleisch in Maßen genossen sowie die sparsame Verwendung von Salz und Zucker tragen zu einer ausgewogenen, gesunden Ernährung bei. Bei den Fetten sollten pflanzliche Öle, beispielsweise aus Raps, zum Einsatz kommen. Wichtig ist es, mindestens anderthalb Liter Wasser, kalorienfreie Getränke oder ungesüßte Tees pro Tag zu trinken. Eine schonende Zubereitung der Lebensmittel erhält Geschmack und Nährstoffe. Zudem fördert achtsames Essen das Sättigungsempfinden. Und nicht zuletzt hilft auch regelmäßige Bewegung dabei, das Gewicht zu regulieren.

Infos zu saisonalen Nahrungsmitteln gibt es unter www.deutsches-obst-und-gemuese.de/immer-frisch/saisonkalender/ cw

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